Goldschmuck reicht von massivem 22-Karat-Gold bis zu einer hauchdünnen Vergoldung auf Messing, und aus der Entfernung sehen beide gleich aus. Die gute Nachricht: Ein genauer Blick und ein paar harmlose Tests sortieren die meisten Stücke. Die weniger gute: Kein Heimtest verrät dir den exakten Feingehalt, und keiner funktioniert per Foto. Dieser Ratgeber zeigt, was du selbst prüfen kannst und was ein Juwelier tut, um es zu bestätigen.

Fang mit dem Stempel an

Das meiste massive Gold aus dem letzten Jahrhundert trägt eine Feingehaltsangabe, meist innen in der Ringschiene, auf einem Verschluss oder auf einem kleinen Plättchen am Verschluss. Nimm eine Lupe und gutes Licht.

Karatstempel Zahlenstempel Goldanteil
9K 375 37,5 %
10K 417 41,7 %
14K 585 58,5 %
18K 750 75 %
22K 916 91,6 %
24K 999 99,9 %

Die Zahlenstempel geben Tausendstel an und sind in Europa und Asien weit verbreitet. Manche amerikanischen Stücke tragen zusätzlich ein P, etwa 14KP, für „plumb“: Der Goldanteil erreicht mindestens den angegebenen Karatwert und ist nicht aufgerundet. Die vollständige Liste samt Herstellerzeichen und Prüfzeichen findest du im Ratgeber zu Punzen.

Achte auf Buchstaben neben dem Karatstempel, denn sie ändern die Bedeutung völlig:

  • GP, GEP, HGE, RGP bedeuten vergoldet oder Walzgold-Auflage, kein massives Gold.
  • GF oder etwas wie 1/20 12K GF bedeutet Doublé (gold-filled).
  • 18K GP ist vergoldet, obwohl „18K“ direkt im Stempel steht.

Ein Stempel ist ein starker Hinweis, aber kein Beweis. Feingehaltsstempel lassen sich leicht auf jedes Metall schlagen, und Fälschungen tragen oft überzeugende. Ein ungestempeltes Stück ist aber auch nicht automatisch falsch: Ältere, handgefertigte, in der Größe angepasste oder ausländische Stücke sind oft nicht gestempelt, oder der Stempel ist abgenutzt.

Die vier Arten von „Gold“-Schmuck

Massivgold ist durch und durch eine Goldlegierung. 14 Karat zum Beispiel bestehen zu 58,5 % aus Gold, gemischt mit anderen Metallen wie Silber, Kupfer oder Zink für Festigkeit und Farbe.

Doublé (gold-filled) hat eine dicke Schicht Goldlegierung, die mechanisch mit einem Kern aus unedlem Metall, meist Messing, verbunden ist. In den USA muss die Goldschicht bei als gold-filled gekennzeichneten Stücken mindestens 1/20 des Gesamtgewichts ausmachen. „1/20 12K GF“ bedeutet also eine 12-Karat-Schicht, die ein Zwanzigstel des Gewichts ausmacht. Doublé hält jahrelang, ist aber kein Massivgold und hat nur einen Bruchteil des Metallwerts.

Vermeil (gesprochen „wer-mäj“) bedeutet in den USA Sterlingsilber mit einer Goldschicht von mindestens 10 Karat und einer festgelegten Mindeststärke. Es ist haltbarer als gewöhnliche Vergoldung, doch der Kern ist Silber.

Vergoldeter Schmuck hat eine sehr dünne Goldschicht, die galvanisch auf unedles Metall aufgebracht wurde. „Heavy gold electroplate“ (HGE) ist dicker, aber trotzdem nur eine Oberflächenschicht. Vergoldung nutzt sich mit dem Tragen ab, bei Ringen und Armbändern manchmal schon nach Monaten.

Sieh dir die Abnutzung an

Vergoldungen und Doublé-Schichten nutzen sich zuerst dort ab, wo das Stück an der Haut oder anderen Flächen reibt. Prüfe:

  • die Unterseite einer Ringschiene und die Kanten der Schiene
  • Verschlüsse, Biegeringe und Glieder, die aneinander reiben
  • erhabene Details und Ecken an Anhängern und Charms

Massives Gold hat an abgenutzten Stellen dieselbe Farbe wie überall sonst. Vergoldete Stücke zeigen darunter oft eine andere Farbe: kupferfarbenes Messing, graues Stahl oder weißes Silber. Grüne oder schwarze Spuren auf der Haut oder grüne Flecken am Stück deuten meist auf kupferreiches Grundmetall hin, das durchscheint. Auch manches massive Gold mit niedrigem Karatwert kann auf der Haut abfärben, nimm das also als Hinweis, nicht als Beweis.

Der Magnettest und seine Grenzen

Gold ist nicht magnetisch. Halte einen starken Magneten (am besten einen Neodym-Magneten; ein Kühlschrankmagnet ist zu schwach) an das Stück.

  • Springt das Stück zum Magneten, ist es kein Massivgold oder enthält ein größeres Teil aus Eisen oder Stahl.
  • Passiert nichts, sagt dir das sehr wenig. Messing, Kupfer, Aluminium, Wolfram und viele andere gängige unedle Metalle sind ebenfalls nicht magnetisch.

Verschlüsse enthalten oft eine kleine Stahlfeder, teste also den Körper des Stücks, nicht den Verschluss.

Der Strichtest auf Keramik

Manche Ratgeber empfehlen, das Stück über eine unglasierte Keramikfliese zu ziehen (etwa den Standring einer Tasse oder eines Tellers). Echtes Gold hinterlässt einen goldfarbenen Strich, viele unedle Metalle einen dunkelgrauen oder schwarzen.

Dieser Test trägt etwas Metall ab und kann eine fertige Oberfläche zerkratzen. Lass ihn also bei allem weg, was dir etwas bedeutet. Außerdem kann er 10 Karat nicht von 18 Karat unterscheiden, und bei einem vergoldeten Stück testest du nur die Vergoldung. Der Säuretest beim Juwelier ist eine kontrollierte Version derselben Idee.

Der Dichtetest

Gold ist sehr dicht, daher fühlt sich ein massives Goldstück für seine Größe schwer an. Mit einer Waage, die mindestens auf 0,01 g genau misst, kannst du die Dichte zu Hause bestimmen:

  1. Wiege das Stück trocken.
  2. Häng es an einem dünnen Faden so in einen Becher Wasser auf der Waage, dass es vollständig untergetaucht ist, ohne Rand oder Boden zu berühren. Die Zunahme der Anzeige entspricht dem Gewicht des verdrängten Wassers.
  3. Dichte = Trockengewicht ÷ diese Zunahme.

Reines Gold hat etwa 19,3 g/cm³, Karatlegierungen weniger: 18 Karat liegen typischerweise bei etwa 15 bis 16, 14 Karat bei rund 13 bis 14,5, je nach Legierung und Farbe. Messing und Kupfer liegen weit darunter, unter 9.

Grenzen: Die Methode funktioniert nur bei Stücken ohne Steine, Hohlräume oder geklebte Teile, und kleine Stücke liefern ungenaue Ergebnisse. Wolfram hat fast dieselbe Dichte wie Gold, daher können Fälschungen mit Wolframkern bestehen. Nutze den Test, um etwas auszuschließen, nicht um es zu bestätigen.

Was ein Juwelier tut

Wenn ein Stück wichtig ist, bring es zu einem Juwelier oder Edelmetallankäufer. Gängige professionelle Methoden:

  • Säuretest. Der Juwelier streicht das Stück über einen schwarzen Probierstein, sodass ein Strich entsteht, und trägt dann Säuren bekannter Stärke auf. Gold ab einem bestimmten Karatwert widersteht der passenden Säure, während unedles Metall und niedrigere Karatwerte sich auflösen. Das geht schnell und kostet wenig. Ein Juwelier feilt eventuell zuerst eine winzige Kerbe, um unter eine Vergoldung zu gelangen.
  • RFA (Röntgenfluoreszenzanalyse). Eine zerstörungsfreie Messung, die die Metallzusammensetzung an der Oberfläche in Sekunden ermittelt. Sie ist bei massiven Stücken sehr genau. Da sie aber die Oberfläche misst, kann eine dicke Vergoldung sie täuschen, worauf erfahrene Ankäufer achten.
  • Elektronische Goldtester. Handgeräte, die den Karatwert anhand der Leitfähigkeit oder der elektrochemischen Reaktion schätzen.
  • Brandprobe (Kupellation). Die genaueste Methode, die Scheideanstalten verwenden. Sie zerstört die Probe und wird daher für Barren und Altgold eingesetzt, nicht für Schmuck, den du behalten willst.

Was ein Foto zeigen kann und was nicht

Ein klares Foto kann den Stil eines Stücks zeigen, die Art der Kette oder Fassung, sichtbare Abnutzung und manchmal einen lesbaren Stempel. Das reicht, um einzuschätzen, ob ein Stück eher Echtschmuck oder Modeschmuck ist und ungefähr wann und wo es entstanden ist. AI Jewelry nutzt diese sichtbaren Details zusammen mit allen erkennbaren Stempeln, um die Metalle zu beschreiben und seine Preisspanne zu begründen.

Ein Foto kann weder den Feingehalt messen noch die Stärke einer Vergoldung erkennen oder das Stück wiegen – und genau diese drei Dinge bestimmen den Goldwert. Betrachte jedes App-Ergebnis als Ausgangspunkt und bestätige es dann mit einer physischen Prüfung.

Tipp: Wiege das Stück vor dem Besuch bei einem Ankäufer selbst in Gramm und notiere den Stempel. So kannst du viel leichter beurteilen, ob ein Angebot fair ist. Unser Ratgeber Was ist mein Schmuck wert? zeigt, wie du den Schmelzwert berechnest.

Eine kurze Checkliste

  1. Finde und lies den Stempel, einschließlich aller Buchstaben nach dem Karatwert.
  2. Prüfe abgenutzte Kanten auf eine andere Farbe darunter.
  3. Halte einen starken Magneten an den Körper des Stücks.
  4. Miss bei Stücken ohne Steine die Dichte.
  5. Lass alles Wertvolle beim Juwelier mit einem Säuretest oder einer RFA bestätigen.

Ist das Gold mit Steinen besetzt, lies auch echte Diamanten erkennen.