Ein paar einfache Tests zu Hause verraten viel über einen klaren Stein und schließen offensichtliches Glas oder Zirkonia schnell aus. Beweisen, dass ein Stein ein natürlicher Diamant ist, können sie aber nicht. Moissanit besteht einige davon, und Labordiamanten bestehen alle, denn ein im Labor gezüchteter Diamant ist ein Diamant. Dieser Ratgeber erklärt jeden Test, was er wirklich zeigt und wann es Zeit ist, den Stein einem Profi zu übergeben.
Zuerst: Was könntest du vor dir haben?
Die meisten klaren Steine, die als Diamanten verkauft oder für Diamanten gehalten werden, gehören zu einigen wenigen Gruppen:
| Material | Was es ist | Besteht Heimtests? |
|---|---|---|
| Natürlicher Diamant | In der Erde entstandener Kohlenstoffkristall | Ja |
| Labordiamant | Derselbe Kohlenstoffkristall, in einer Fabrik gezüchtet (HPHT oder CVD) | Ja, alle |
| Moissanit | Siliciumcarbid, ein anderes, sehr hartes Mineral | Viele davon |
| Zirkonia (CZ) | Synthetisches Zirconiumoxid, deutlich weicher | Meist nicht |
| Weißer Saphir, Glas, Kristallglas, Quarz | Andere farblose Materialien | Meist nicht |
Wer verspricht, „einen falschen Diamanten zu entlarven“, meint meist, Diamant von Zirkonia oder Glas zu unterscheiden. Natürliche von Labordiamanten zu trennen ist ein viel schwierigeres Problem.
Der Anhauchtest
Hauch den Stein an, als wolltest du einen Spiegel beschlagen, und beobachte, wie schnell er wieder klar wird.
- Diamant leitet Wärme extrem gut, deshalb verschwindet der Beschlag fast sofort.
- Zirkonia und Glas bleiben ein paar Sekunden länger beschlagen.
Grenzen: Auch Moissanit wird schnell wieder klar, ebenso ein Labordiamant. Ein verschmutzter Stein mit Öl- oder Cremeresten kann den Beschlag halten, egal woraus er besteht. Reinige ihn also vorher vorsichtig. Betrachte den Test als schnelle Vorprüfung, nicht als Urteil.
Lesetest und Punkttest
Diese Tests funktionieren nur mit einem losen Stein, idealerweise einem runden Brillanten. Gefasste Steine lassen sich so nicht prüfen.
- Lesetest: Leg den Stein mit der Tafel nach unten auf eine Zeile Zeitungsdruck. Bei einem gut geschliffenen Diamanten wird das Licht im Stein so stark gebrochen, dass du die Buchstaben nicht lesen und nicht einmal klare Linien erkennen kannst.
- Punkttest: Mal einen kleinen Punkt auf weißes Papier, setz den Stein mit der Tafel nach unten darauf und schau senkrecht von oben durch die spitze Unterseite. Bei einem Diamanten siehst du den Punkt meist nicht. Bei Glas und vielen Imitationen siehst du einen Punkt oder einen Ring.
Warum das funktioniert: Diamant hat einen sehr hohen Brechungsindex, daher wird das Licht gebrochen und zum Auge zurückgeworfen, statt geradewegs hindurchzugehen. Grenzen: Moissanit bricht das Licht noch stärker und besteht daher. Bei einem schlecht geschliffenen Diamanten kann etwas Schrift durchscheinen, und ein ungewöhnlicher Schliff kann das Ergebnis in beide Richtungen verfälschen.
Nimm eine Lupe
Eine 10-fach-Juwelierlupe ist günstig und das nützlichste Werkzeug für diese Aufgabe. Halte sie dicht ans Auge und führe den Stein heran, bis er scharf ist.
Achte auf Folgendes:
- Facettenkanten. Diamant ist das härteste natürliche Material, daher bleiben die Linien, an denen Facetten aufeinandertreffen, scharf und klar. Zirkonia und Glas sind weicher, ihre Kanten wirken oft abgerundet, angeschlagen oder verkratzt, besonders bei älteren Stücken.
- Einschlüsse. Die meisten natürlichen Diamanten haben kleine innere Merkmale: winzige Kristalle, Federn oder Punkte. Ein Stein, der unter der Lupe völlig rein aussieht, ist kein Beweis für eine Fälschung, denn es gibt Diamanten mit sehr hoher Reinheit. Er ist aber ein Grund, genauer hinzusehen. Gasbläschen dagegen deuten auf Glas hin.
- Doppelte Facettenlinien. Moissanit ist doppelbrechend. Schaust du schräg durch die Oberseite des Steins, wirken die hinteren Facettenkanten oft doppelt oder unscharf. Diamant ist einfachbrechend und zeigt saubere, einfache Linien.
- Farbe des Funkelns. Diamant zeigt eine Mischung aus weißem Funkeln und farbigen Blitzen. Zirkonia zeigt oft mehr farbiges Feuer, und Moissanit sehr viel kräftiges Regenbogenfeuer, das manche im Sonnenlicht als „Discokugel“-Effekt wahrnehmen.
Hinweise aus Fassung und Stempeln
Die Fassung kann genauso aufschlussreich sein wie der Stein.
- Metallstempel. Hochwertige Diamanten werden normalerweise in Gold oder Platin gefasst. Such innen in der Ringschiene nach Stempeln wie 14K, 585, 18K, 750, PT950 oder PLAT. Unser Ratgeber zu Punzen entschlüsselt sie.
- „CZ“ oder „C.Z.“ auf der Ringschiene bedeutet, dass der Hersteller dir klar sagt, was der Stein ist.
- Sterlingsilber (925) oder vergoldetes Metall schließt einen Diamanten nicht aus, doch ein großer „Diamant“ in einer vergoldeten Fassung ist ungewöhnlich und einen kritischen Blick wert.
- Laserinschrift. Viele zertifizierte Diamanten tragen eine Gutachtennummer auf der Rundiste, dem schmalen äußeren Rand. Sie ist mikroskopisch klein, aber ein Juwelier kann sie lesen und mit einem Laborgutachten abgleichen.
Denk daran, dass Stempel gefälscht sein können und ältere Stücke oft gar nicht gestempelt sind. Wie du das Metall selbst prüfst, erfährst du unter echtes Gold erkennen.
Tests, die du lassen solltest
- Kratztest. Einen Stein über Glas oder Schleifpapier zu ziehen beweist wenig und kann einen echten Diamanten absplittern lassen, denn er ist hart, aber spröde.
- Wassertest. Diamant sinkt zwar, aber Zirkonia, Moissanit und Glas ebenso.
- UV-Licht. Viele Diamanten leuchten unter ultraviolettem Licht blau, viele aber nicht. Auch manche Imitationen leuchten. Das ist ein Hinweis fürs Labor, kein Urteil für zu Hause.
Warum Moissanit und Labordiamanten bestehen
Moissanit ist tatsächlich ein anderes Material, aber sehr hart, ein guter Wärmeleiter und stark lichtbrechend. Deshalb wird es nach dem Anhauchen schnell klar, besteht den Lesetest und behält scharfe Facettenkanten. Die Doppelbrechung unter der Lupe und sein kräftiges Feuer sind die besten Hinweise für zu Hause, und selbst die erfordern Übung.
Labordiamanten haben dieselbe chemische Zusammensetzung, Kristallstruktur, Härte und dieselben optischen Eigenschaften wie natürliche Diamanten. Kein Heimtest kann sie unterscheiden, und auch kein Foto. Dafür braucht es spektroskopische und bildgebende Laborgeräte.
Das ist auch der Grund, warum eine Handy-App einen Diamanten nicht „prüfen“ kann. Ein Foto zeigt Form, Schliff, Fassung und Funkeln. Das ist nützlich, um ein Stück zu beschreiben und einzuschätzen, was es wahrscheinlich ist. Wärmeleitfähigkeit, Brechungsindex oder Wachstumsstruktur kann es aber nicht messen und daher auch nicht bestätigen, ob ein Stein natürlich, im Labor gezüchtet oder eine Imitation ist. AI Jewelry beschreibt die Steine, die es sieht, und die Begründung hinter seiner Schätzung, behauptet aber nicht, sie zu verifizieren. Sei vorsichtig bei jeder App, die das tut.
Thermische Tester und Multitester
Handliche Prüfgeräte nutzen die meisten Juweliere für eine erste Vorprüfung.
- Thermische Diamanttester messen, wie schnell sich Wärme durch den Stein bewegt. Sie unterscheiden Diamant zuverlässig von Zirkonia und Glas, doch bei vielen Geräten wird Moissanit als Diamant angezeigt.
- Multitester (Diamant- und Moissanittester) prüfen zusätzlich die elektrische Leitfähigkeit. Die meisten Moissanite leiten Strom, Diamant normalerweise nicht, sodass der Tester sie erkennen kann. Eine bekannte Ausnahme: Manche Labordiamanten, vor allem borhaltige, leiten ebenfalls Strom und können als Moissanit angezeigt werden.
- Keiner der beiden Typen unterscheidet natürliche von Labordiamanten. Was Wärme und Strom angeht, sind beide Diamant.
Manche Juweliere haben außerdem spezielle Screeninggeräte für Labordiamanten, die prüfen, wie ein Stein auf UV- oder anderes Licht reagiert. Sie können einen Stein zur weiteren Prüfung weiterleiten, doch eine vollständige Antwort liefert nur ein Labor.
Wann du ein Gutachten von GIA oder IGI brauchst
Lass ein Gutachten von einem angesehenen gemmologischen Labor wie dem GIA (Gemological Institute of America) oder dem IGI (International Gemological Institute) erstellen, wenn:
- der Stein etwa ein halbes Karat oder mehr wiegt oder das Stück offensichtlich wertvoll ist
- du kaufst oder verkaufst und der Preis davon abhängt, dass der Stein natürlich ist
- du das Stück geerbt hast und es für eine Versicherung oder einen Nachlass brauchst
- Heimtests und das Prüfgerät eines Juweliers Zweifel offenlassen
Ein Gutachten gibt an, ob der Stein natürlich oder im Labor gezüchtet ist, und bewertet Schliff, Farbe, Reinheit und Karatgewicht. Für eine vollständige Bewertung brauchen Labore den Stein lose, daher wird ein Juwelier ihn meist für dich ausfassen. Hat ein Stein bereits ein Gutachten, prüfe die Nummer auf der Website des Labors und bitte einen Juwelier zu bestätigen, dass sie mit der Inschrift auf der Rundiste übereinstimmt.
Tipp: Wenn du eine schnelle, ehrliche Einschätzung möchtest, bevor du entscheidest, ob sich die Laborgebühr lohnt, kann ein Juwelier vor Ort mit einem Multitester einen Stein meist in ein, zwei Minuten prüfen, oft für wenig oder gar kein Geld.
Was das Ergebnis in Geld bedeutet, erfährst du unter Was ist mein Schmuck wert?